Der Esel / Halbesel (Kreuzungen Pferd/Esel)

Wesen des Esels / Halbesels

Der Esel ist ein Säugetier und innerhalb derselben zu den Unpaarzehern (Unpaarhufern und Unpaarhuftieren) gehörig. Diese haben heute nur noch zwei Unterordnungen

  1. Nashornartige (Tapire, Nashörner)
  2. Pferdeartige (Equiden), (Pferde, Zebras, Esel, Maultiere, Maulesel)
Auf der Welt leben heute etwa 35 Millionen Tiere (Esel und Maultiere). Esel gel­ten allgemein als anspruchslos, ausgeglichen im Verhalten, wohlüberlegt, geduldig und ausdauernd; bezüglich der Haltung stellt der Esel andere aber kei­neswegs geringere Ansprüche an seinen Halter als Pferde und Ponys. Sie sind auf keinen Fall einfacher im Umgang und erfordern fundierte Fachkenntnisse, insbesondere zur Haltung.

Anspruchslosigkeit:

Diese betrifft einzig ihre gute Futterverwertung und dadurch bedingt, geringere Futterkosten. Je grösser der Esel/Eselartige aber, desto schlechtere Futterwertung und damit auch höhere Futterkosten! Entgegen der weit verbreiteten Meinung benötigen gerade Kinder in der Begegnung mit Eseln eine adäquate Anleitung durch einen eselkundigen Erwachsenen. Die falsche Deutung der erwähnten Eigenschaften des Esels führen noch heute zu unkorrekter Behandlung. Ebenso haben ihre unvergleichbare Ergebenheit und ihr Durchhaltewille dem Menschen gegenüber bis in die jüngste Zeit zu Ausbeutung und Quälerei geführt. Obwohl der Esel ein Pferdeartiger ist, unterscheidet er sich in vielem von den Pferden.

Andersartigkeit:

Esel leben in locker strukturierten Gruppen zum besseren Schutz vor Feinden. Es sind keine ausgesprochenen Herdentiere und haben sich eine stärkere Indi­vidualität und Selbständigkeit erhalten. Sie ordnen sich in der Gruppe nicht so stark unter wie die Pferde.
Das gleiche Muster zeigt die unterschiedliche Dressierbarkeit von Esel und Pferd. Die eselgerechte Ausbildung fordert den Menschen in einem hohen Mas­se heraus. da er sich weder zwingen noch bestechen lässt. Auf zu viel Druck reagiert er mit Verharren, was u.a. zu seinem unberechtigt schlechten Image der angeblichen Störrischkeit beiträgt.

Wohlüberlegtheit (Fluchtverhalten, Trittsicherheit):

Der Esel kennt keine Panik. Bei Gefahr bleibt er stehen und prüft die Situation. Er neigt nicht dazu, mit Unvorsichtigkeit zu reagieren. Diese Eigenschaft hat er sich von seinen Vorfahren, die in steinigen, öden und gefährlichen Gebirgsland­schaften lebten, erhalten. Deshalb ist zu beobachten, dass der Esel seine Um­welt permanent mit all seinen Sinnen wahrnimmt, auf mögliche Gefahren hin analysiert, Lösungen überlegt und nie kopflos flüchtet. Es ist zu beachten, dass der Esel stets mitdenkt und den Weg eigenständig prüft. Beurteilt ein Esel ein Hindernis oder den Untergrund als gefährlich, begibt er sich auch nicht durch Menschenhand geleitet hinein. Bei der sprichwörtlichen Störrischkeit des Esels handelt es sich also vielmehr um folgerichtiges Denken, also Intelligenz.

Haltung:

Es kann nicht oft genug betont werden, dass Esel nicht alleine gehalten werden sollen. Auch ersetzen andere Tierarten wie z.B. Ziegen, Kaninchen, Schweine, etc. dem Esel einen Artgenossen als Sozialpartner nicht.

Erwähnenswert ist die anspruchsvolle Eselhengsthaltung. Eselhengste trainieren ihre Kräfte und Sinne ständig. Wenn sie nicht über genügend Deckmöglich­keit, Raum und Artgenossen verfügen, entpuppen sie sich oftmals als regel­rechte Randalierer und Quälgeister. Die Haltung eines Hengstes setzt Fachkenntnis und –können sowie eine entsprechende Infrastruktur voraus. Sie ist nur gerechtfertigt, wenn der Hengst zur Zucht verwendet wird.
Hengste, die nicht für die Zucht eingesetzt werden, sollten rechtzeitig kastriert werden, d.h. sobald sich beide Hoden in den Hodensack abgesenkt haben. Das kann bereits mit 3-4 Monaten der Fall sein. Der Kastrationstermin ist im Frühjahr und/oder Herbst ideal. Das Klima ist in diesen Jahreszeiten gemässigt und dadurch die Infektionsgefahr durch Fliegen geringer.

Die Haltung von Eseln empfiehlt sich in einem dreiseitig geschlossenen Stall mit angrenzendem Allwetterplatz. Wichtig ist dabei, dass der Stall hell, gut durchlüftet und frei von Zugluft ist. Besonders wichtig ist ein solider, rutschfester und gut zu reinigender Bodenbelag im Stall und im Freilauf. Eselshufe reagieren besonders empfindlich auf Nässe und Säuren.

Für Esel nicht zu empfehlen ist in unseren Breitengraden die permanente, d.h. 24-Stunden-Weidehaltung. Das zu viel an Eiweiss macht den fresslustigen Esel definitiv krank. Zu beachten ist, dass im Frühling das Gras besonders eiweisshaltig ist und deshalb Esel nur stundenweise geweidet werden sollten. Die grosse Fresslust der Esel lässt sich durch ihre Herkunft und dem damit verbundenen geringen Futterangebot begründen. Wichtig ist zu wissen, dass er das Futter zu etwa 30% besser verwertet als das Pferd, was ihm leider oft zum Verhängnis wird, wenn er gleich dem Pferd gefüttert/geweidet wird.
Kleinere Esel brauchen 3-4 x täglich gehaltvolle, kleine Mengen Oekoheu (eiweissarm), Stroh und wenn überhaupt, nur sehr wenig Getreidekurzfutter für Esel. Zudem einen genau dosierten Vitamin- und Mineralstoffkomplex.
Der Zugang zu frischem Wasser und einem Salzleckstein ist unverzichtbar.
Obwohl Früchte, Gemüse und trockenes Brot ganz oben auf der Hitliste der Esel steht, sollten diese Speisen – der Kohlenhydrate wegen – nur in kleinen Mengen, oder überhaupt nicht, gefüttert werden. Das gleiche gilt für Belohnungsleckerli.
Als Zusatzfutter und zur Beschäftigung können dem Esel Zweige vom Hasel­strauch, von der Birke, dem Kirsch- und Pflaumenbaum sowie von der Weide und der Weissbuche gereicht werden.
Eine erwünschte Abwechslung im Futterplan stellt das „Mash“ dar. Mash ist ein verdauungsförderndes Ergänzungsfutter, das man 1-2 x wöchentlich verfüttert. Dosierung; 1 Joghurtbecher/kleiner Esel (Achtung, kohlenhydratarmes Mash verwenden).

Zuchthygiene (Alles Wissenswerte über Decken, Gebären, Säugen,etc.)

Geschlechtsreife

Stuten können bereits ab dem ersten Lebensjahr die Geschlechtsreife erreichen, sollten aber keineswegs zu früh gedeckt werden. Hengste werden normalerweise mit 12-15 Monaten geschlechtsreif, es gibt aber frühreife Tiere, die bereits vor dem 1. Lebensjahr zeugen können.

Zuchttauglichkeit

Ab Ende 3. Lebensjahr (Esel wachsen bis Ende 4. Jahr, wobei im letzten Jahr sehr wenig)

Rosse

Alle 21 Tage (19-23 Tage) während des ganzen Jahres, aber stärker in der warmen Jahreszeit

Trächtigkeit

360 - 380 Tage (individuell), kann bis 2 Wochen abweichen, wobei Übertragungen bis 3 Wochen beschrieben sind)

Deckzeit

März bis Mai optimal, da Fohlen zur besten Weidezeit geboren werden

Abfohlung

Sollte in ruhiger Umgebung ermöglicht werden, wobei sie gerne alleine fohlen, deshalb geschieht es vor allem in der Nacht.
3 - 4 Tage vor der Geburt erschlaffen die breiten Beckenbänder deutlich (wie bei den Kühen); an den Zitzen-Öffnun­gen bilden sich normalerweise Harzzäpfchen. Mindestens während 24 Stunden nach der Geburt fliesst das Kolostrum (Kolostralmilch), welche den Abgang des Darmpechs begünstigt und wichtige Antikörper, Mineralstoffe, Vitamine, etc. enthält.
Wenn die Nachgeburt nach 3 Stunden immer noch nicht ausgetrieben wurde, muss unbedingt der Tierarzt geholt werden, sonst droht der Stute innere Vergiftung oder Hufrehe.

Das Fohlen

Es steht schon einige Minuten nach der Geburt (früher als das Pferdefohlen). Es sollte im Minimum 4 Monate bei der Stute bleiben; bis maximal 6 Monate. Schon früh sollte es kurzfristig von der Mutter getrennt werden. Es nimmt bereits ab der ersten Woche Futter selbständig auf. Möglichst früh soll es an das Halfter gewohnt und die Beine sollten regelmässig aufgehoben werden.

Einige hygienische und medizinische Belange

Hygienische Belange

Die Körper- und Hufpflege, und zwar je nach Gebrauch in kürzeren oder längeren Intervallen, ist eine Selbstverständlichkeit. Allfällige Verletzungen werden so frühzeitig bemerkt, zusätzlich wird die Bindung zum Menschen gefördert und vertieft. Zur Hufpflege ist die Kenntnis der Hufform und der Zehenwinkel unabdingbar: Die Zehenachse setzt sich als eine Linie bis in den Huf fort, d.h. die althergebrachte Meinung, der Esel habe Bockhufe, stimmt nicht. Übliches Hufpflegeintervall 6 - 10 Wochen. Die Hufpflege dient dem Erhalt der Funktionsfähigkeit.

Medizinische Belange

Verdauung:Sie fängt im Maul an, was eine regelmässige Zahnkontrolle von Nöten macht (jährlich bei guter Haltung, oder aber sofort bei einer Kau- und/oder Verdauungsstörung: „Schiggen“; „Pfeifenrauchen“, Kolik, Anschoppung, etc.
Kolik ist bei artgerechter Haltung selten. Parasiten, abrupte Futterwechsel und Fütterungsfehler (auch übermässige Weidehaltung) können die Ursache sein. Beides ist tunlichst zu vermeiden, und entspricht gar nicht artgerechter Haltung.
Parasiten/Entwurmungen: Der Esel/Halbesel sollte alle 3 Monate entwurmt werden. Eine Besonderheit ist der Lungenwurm (Dictiocaulus arnfieldi), welcher 6 - 10 cm lang wird und nur in Eseln Geschlechtsreife erreicht.
Pferde infizieren sich somit nur, wenn sie gemeinsam mit Eseln auf einer Weide sind. Der Wurm lebt in den grossen Bronchien und kann Ursache von Husten sein. Eine gute Weidehygiene ist sehr wichtig (Entfernung von Kot). Im Frühjahr ist ein Breitband-Medikament gegen Wurminfektionen zu verabreichen.
Abrupter Futterwechsel; Fütterungsfehler; Hufrehe:
Abrupter Futterwechsel; Fütterungsfehler; Hufrehe: abrupter Futterwechsel, übermässige Kohlehydrat- und Eiweissfütterung (getriebenes Gras, Emd, Hafer, etc.) sowie übermässige Weidehaltung können zu Hufrehe, Fettleibigkeit, hohen Blutfettwerten und Störungen aller Art (Lebererkrankungen, Appetitlosigkeit bis komplette Futterverweigerung, Hufrehe und schlussendlich zum Tode führen). In Gebieten mit sehr tiefen Vitamin E-, Selen-Gehalten kann eine Zufütterung nötig sein (selten, Weissmuskelprobleme). und schlussendlich zum Tode führen). In Gebieten mit sehr tiefen Vitamin E-, Selen-Gehalten kann eine Zufütterung nötig sein (selten, Weissmuskelprobleme).
Wenn die Haltung artgerecht ist, lassen sich vorgenannte Probleme grossenteils vermeiden.
(siehe www.eselfreunde.ch)
Husten: Erkrankungen der Luftwege sind nicht sehr häufig.
Bei vielen Krankheiten wie Augen, Haut, innere Organe, Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder, etc. kann man sich am Pferd orientieren.
Prophylaxe (Vorbeugung): stimmt die Haltung, ist der Esel sehr wenig anfällig für Krankheiten.
Impfungen: Esel/Halbesel sollten gegen Starrkrampf und Grippe geimpft werden. Über die Intervalle besteht keine Einigkeit. Bei uns werden sie 2-mal im Abstand von 21 - 90 Tagen grundimmunisiert, dann erfolgt ein jährlicher Booster; ev. Starrkrampf nur alle 3 Jahre. Wichtig: Unsachgemäss applizierte Impfungen (grob, schmerzhaft) vergisst der Esel nie, er wird unbehandelbar.
Für Esel gibt es keinen speziellen Impfpass. Es wird der internationale Impfpass für Pferde verwendet. Der Tierarzt, der die Impfungen durchführt, muss das Datum der Impfung und die verwendeten Impfstoffe eintragen. Ein seriöser Verkäufer eines Esels kann einen korrekt ausgefüllten Impfausweis vorlegen. Neuerdings wird angestrebt, dass alle Esel gechipt werden. Der Erkennungs-Chip wird links am Hals platziert (unter Haut, Nackenbandgegend, Kammfett, je nach Lust und Gepflogenheit) und verursacht keine Schmerzen.

Fazit des Schreibers dieser Abhandlung:
Der Esel ist ein Philosoph!

Weiterführende Links:
www.poitou-esel.de/puck/eselinfo.nsf
www.eselfreunde.ch

Download: Dokumentation "Esel / Halbesel"