Die normale Geburt beim Kleintier

Trächtigkeitsdauer

Hund: 63 ± 1 Tag nach Deckakt, 57 ± 3 Tage nach Ende der Läufigkeit
Katze: 64 – 69 Tage (normal 66 Tage). Bei der Kätzin ist die Tragzeit viel genauer bestimmbar, da der Eisprung durch den Deckakt ausgelöst wird.
Erste Bewegungen stellt der Besitzer bei der Hündin/Kätzin 2 – 3 Wochen vor der Geburt fest. Erfahrene Züchter kennen darum oft die Welpenzahl bereits zu diesem Zeitpunkt.

Die 3 Stadien der normalen Geburt

  • Eröffnungsphase (6 -12 Stunden; Erstgebärende bis 36 Stunden)
    Während dieser Phase zieht sich die Gebärmutter zusammen, ausgelöst durch einen abrupten Abfall des Schwangerschaftshormons Progesteron, was bei der Hündin einen Temperatursturz von 1° auf 37.0° bewirkt; der hinterste Welpe wird gegen den Gebärmutterhals geschoben und der Muttermund öffnet sich, schwillt an und präsentiert sich als der von aussen gut sichtbare Wurf.
    Die Hündin/Kätzin ist sehr unruhig, geht auf und ab, hechelt, nestet, sieht sich nach dem Bauch um, leckt sich vermehrt den Genitalbereich und erbricht eventuell; einige Hündinnen/Kätzinnen können das Futter verweigern.
    Der Schleimpropf im Gebärmutterhals löst sich, Schleim befindet sich in der Vagina und Fruchtwasser geht ab. Das Gesäuge wird prall (Milcheinschuss); das kann ev. erst mit oder nach der Geburt der Fall sein (manchmal schon 1-2 Tage vor der Geburt).
  • Austreibungsphase
    Die Welpen werden durch das Bauchpressen der Hündin/Kätzin ausgetrieben. Die Austreibungsphase hat begonnen, wenn die normale Körpertemperatur wieder erreicht, oder das Fruchtwasser abgegangen ist. Die Presswehen sind in den ersten 2-4 Stunden der Austreibungsphase schwach und unregelmässig. Werden sie stark und regelmässig, kommt innerhalb on 20-30 Minuten der 1. Welpe. Ist dies nicht der Fall: unverzüglich den Tierarzt konsultieren.
  • Nachgeburtsphase (Aufbeissen der Eihaut, Abnabeln)
    Die Hündin/Kätzin beleckt die Welpen kräftig, gelegentliches Bauchpressen, damit die Nachgeburt abgeht, anschliessend Ruhepause mit Säugen. Die Nachgeburt folgt innerhalb von 5-15 Min. nach jedem Welpen. Austreibungsphase, Aufbeissen der Eihaut und Abnabeln finden für jeden Welpen einzeln statt. Es können aber 2-3 Welpen geboren werden und die Plazenten (Nachgeburten) folgen zusammen später. Die Nachgeburt wird in der Regel sofort gefressen.

Der Ablauf der normalen Geburt

Während des Geburtsvorganges braucht die Hündin/Kätzin in ihrer Wurfkiste Ruhe. Ständige Störung durch den Besitzer oder den Tierarzt verzögern den Geburtsvorgang und können zu Geburtsstörungen führen.

  • Beim ersten Welpen kann die Geburtsdauer mehrere Stunden (bis 6 Stunden) betragen. Die Wehen werden von Ruhepausen unterbrochen. Nach dem 1. Welpen ist die Hündin/Kätzin erschöpft.
  • Die Geburtsdauer beträgt bei den weiteren Welpen 20-60 Minuten; zwischen der Geburt von 2 Welpen sollten höchstens 4 Stunden liegen (oberste Grenze). Normalerweise ist es etwa 1 Stunde. Nach spätestens 4 Stunden sollte der Tierarzt konsultiert werden.
  • Unter konstanten Austreibungswehen sollte ein Welpe innerhalb von 10-15 Minuten geboren werden.
  • Die normale Geburt dauert in der Regel ungefähr 6 Stunden, bei sehr grossen Würfen bis 24 Stunden

Wann muss meine Hündin/Kätzin zum Tierarzt

  • Falls seit dem Deckakt 69 Tage vergangen sind und die Hündin/Kätzin keine Geburtsanzeichen zeigt
  • Abgang des Fruchtwassers vor mehr als 2 Stunden ohne dass die Geburt eines Welpen erfolgt
  • Bereits vor der Geburt des ersten Welpen wird grünlicher Ausfluss beobachtet
  • Scheidenausfluss stinkend, eitrig, blutig
  • Schwache, unregelmässige Wehen länger als ca. 4 Stunden, ohne Einsetzen der Presswehen
  • Die Geburt des ersten Welpen liegt länger als 12 Stunden zurück und es sind noch nicht alle Welpen geboren
  • Mehr als 4 Stunden Pause seit der Geburt des letzten Welpen und es sind noch nicht alle Welpen geboren
  • Tier zeigt Geburtswehen (Presswehen) seit über 30 Minuten, ohne dass ein Welpe geboren wird.
  • Bei gestörtem Allgemeinbefinden der Hündin/Kätzin (aufgekrümmter Rücken, Apathie, Muskelzittern, Rektaltemperatur über 39.5°, Stöhnen, etc.
  • 4 – 5 Stunden nach dem letzten Welpen sind noch nicht alle Nachgeburten abgegangen
  • Fortwährende starke Blutung aus Muttermund
  • Bei gestörtem Allgemeinbefinden der Welpen

Hinweis an Züchter: Das Verabreichen von Oxytocin an eine Hündin/Kätzin, sie sich nicht in Geburt befindet, ist ein grober Fehler. Unüberlegtes Applizieren von Oxytocin kann zu Dauerkontraktion oder Riss der Gebärmutter führen und somit Welpen und Mutter gefährden.

Download: Dokumentation "Die Geburt bei Kleintieren und wann muss ein Tierarzt beigezogen werden"