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Parasitenmanagement bei Pferden und Eseln

In der modernen Pferdehaltung, in welcher viele Pferde auf relativ kleinem Raum gehalten werden, ist eine Bekämpfung der verschiedenen Parasiten sehr wichtig. Ansonsten können sich diese unkontrolliert vermehren und zu verschiedenen, zum Teil erheblichen gesundheitlichen Schäden führen. Es können Fellveränderungen, Leistungsabfall, Gewichtsverlust wie auch schwere Organschädigungen (u.a. Lunge, Leber, Magen, Darm) auftreten, welche unter anderem zu Kolik führen können.

Die Parasiten produzieren Eier, welche ausgeschieden werden und in die Umgebung gelangen. Die Pferde können die Parasiteneier oder die Larven direkt zum Beispiel über das Gras aufnehmen oder über einen Zwischenwirt (zB die Moosmilbe). Im Pferd selber entwickeln sich diese Eier bzw Larven wieder zu adulten Würmern, welche erneut Eier produzieren. Dieser Ansteckungszyklus läuft dadurch immer weiter, sofern man ihn nicht unterbricht.

Zu den wichtigen Bekämpfungsstrategien gehören eine gute Weide- und Stallhygiene, das Management von neuen Pferden im Bestand, Kotuntersuchungen und die Entwurmung. Durch eine gute Hygiene (regelmässiges «Bollen nehmen») kann der Infektionsdruck im Stall und auf den Weiden deutlich reduziert werden. Wann Kotuntersuchungen zum Einsatz kommen und wann und wie häufig entwurmt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wichtig ist das Alter des Pferdes und in was für einem Bestand das Pferd lebt, ebenso natürlich auch die Hygiene.

Besonders bei Fohlen und bei jungen Pferden bis zu einem Alter von 5 Jahren ist das Entwurmen sehr wichtig. Ihr Immunsystem ist noch unreif und dadurch besonders anfällig für Parasiten. Diese können die Entwicklung der Fohlen und Jungpferde beeinträchtigen und zu Organschäden führen. Deshalb wird bei dieser Altersgruppe eine regelmässige Entwurmung ab den ersten Lebenswochen bis zum 5. Altersjahr empfohlen (4x/Jahr). Die Wirkstoffgruppe sollte regelmässig gewechselt werden, um einer Resistenzbildung entgegen zu wirken.

Lange Zeit wurde auch bei älteren Pferden (> 5 Jahren) eine Quartalsbehandlung mit Antiparasitika praktiziert. Jedoch sind in den letzten Jahren immer mehr Resistenzen gegen fast alle gebräuchlichen Entwurmungsmittel beobachtet worden, weshalb eine neue Bekämpfungsstrategie – die «selektive Entwurmung» - ausgearbeitet wurde. Bei dieser Methode werden im ganzen Bestand Kotproben untersucht und nur die Pferde entwurmt, bei welchen Parasiteneier oder Larven im Kot gefunden werden. Da die meist gebräuchlichen Kotuntersuchungsmethode jedoch vor allem auf die kleinen Strongyliden (häufigste Parasiten) ausgerichtet ist, ist es möglich, dass gewisse Parasitenarten nicht erfasst werden. Aus diesem Grund sollten alle Pferde eines Bestandes, welcher eine «selektive Entwurmung» durchführt, einmal im Jahr (im Winter, nach dem 1. Bodenfrost) mit einem Kombinationspräparat entwurmt werden, welches gegen möglichst alle der vorkommenden Parasiten wirkt. Da die Pferde die Parasiteneier nicht regelmässig ausscheiden, ist es wichtig, für eine Kotuntersuchung Kot an mehreren (3) aufeinanderfolgenden Tagen zu sammeln.

Um die Wirksamkeit von Wirkstoffen in einem Bestand/bei einem Tier zu bestätigen, sollte 14 Tage nach der Behandlung eine erneute Kotuntersuchung erfolgen.

Bei Neuzugängen in einem Bestand sollte bei diesen Pferden zuerst eine Kotuntersuchung erfolgen und ggf. eine Entwurmung. Erst nach einer negativen Kontrolluntersuchung nach 14 Tagen nach einer Behandlung sollten Neuzugänge in den Bestand integriert werden.

Bei der Verabreichung eines Entwurmungsmittels ist es sehr wichtig, das Gewicht des Pferdes möglichst genau zu schätzen oder am besten das Pferd zu wiegen. Eine Unterdosierung muss in jedem Fall vermieden werden, da dies Resistenzen fördern kann, da nicht alle Parasiten im Organismus abgetötet werden und sie sich somit an das Mittel gewöhnen können. Vor allem bei kleinen Ponys muss darauf geachtet werden, dass man ihnen nicht zu viel eines Entwurmungsmittels verabreicht, da bei hohen Dosierungen Vergiftungen möglich sind.

Die «Selektive Entwurmungsstrategie» - so viel entwurmen wie nötig, aber so wenig wie möglich

gem. Vetsuisse-Fakultät Zürich und Bern, Mai 2020

Übersicht: Parasiten‐Management beim Pferd (ab 5. Weidejahr)

1. Jahr (Orientierungsjahr)

1) Epidemiologische Bestandesanalyse durch Tierarzt/Tierärztin, unter Einbezug aller Faktoren mit Relevanz für den Parasitendruck

2) Individuelle Kotuntersuchungen (McMaster‐Verfahren) bei allen Pferden des Bestandes; ca. alle 8 bis 10 Wochen; beginnend im April/Mai

3) Entwurmung von Pferden mit Befunden von ≥ 200 Strongylideneiern pro Gramm Kot; bei Nachweis von Spulwurm‐ oder Bandwurmeiern oder bei klinisch begründetem Verdacht auf einen Parasitenbefall

4) Überprüfung der Wirksamkeit der Entwurmungsbehandlungen mit erneuter Kotuntersuchung 10‐14 Tage später

5) Eingangsuntersuchung neu eingestellter Pferde; Entwurmung entsprechend Kotbefund und/oder Behandlungsvorbericht

6) Larvenkultur (gebündelt, bis zu 6 Pferde) zur Erfassung des Strongylidenspektrums (mindestens 1x jährlich)

7) Saisonschlussbehandlung im November/Dezember für Pferde ohne bisherige Behandlung im laufenden Jahr

8) Separate diagnostische Abklärung bei Verdacht auf Befall mit Lungenwürmern, Leberegeln oder Pfriemenschwänzen (Oxyuren)

Ab 2. Jahr

1) Individuelle Kotuntersuchungen; die Frequenz ist abhängig vom generellen Infektionsniveau im Bestand, Reduktion auf 3 und in Nachfolgejahren in Ausnahmefällen auf 2 pro Saison möglich

2) Weiterführung der Massnahmenpunkte 3 ‐ 8 des Orientierungsjahres.